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# Was Wissenschaft kann – und was nicht (1/2)
- URL: https://reasoned-faith.de/was-wissenschaft-kann-und-was-nicht-1-2/
- Published: 2026-09-12T16:00:36.000Z
- Updated: 2026-09-12T16:00:51.000Z
- Author: Tobias Anselm
- Tags: Wissenschaft & Schöpfung

Um uns mit der Frage, ob Wissenschaft und Glaube sich ausschließen, zu beschäftigen, müssen wir vorab zwei zentrale Fragen klären:

\- Was ist Wissenschaft?

\- Was kann Wissenschaft – und was nicht?

Das meistgenutzte frei verfügbare Online-Lexikon ist das allseits bekannte Wikipedia und definiert Wissenschaft so:  
„Wissenschaft ist die Methodik des überprüfbaren Erkenntnisgewinns. Sie nutzt dazu die Arbeitsmittel Beobachtung, Experiment, Analyse, Theorie, Veröffentlichung, Kritik, Überprüfung, Überarbeitung und Weiterentwicklung. Alte obsolete Wissensstände können ihrerseits Untersuchungsgegenstand im Rahmen der Wissenschaftsgeschichte werden.“

Wir halten einmal zwei wichtige Kernaussagen fest und betrachten sie etwas genauer, um dann ihre Möglichkeiten und Grenzen zu erfassen und danach auch anhand zweier Beispiele zu veranschaulichen:

\- Methodischer überprüfbarer Erkenntnisgewinn

\- Beobachtung, Experiment, Analyse, Theorie, Veröffentlichung, Kritik, Überprüfung, Überarbeitung und Weiterentwicklung als Arbeitsmittel

Das Ziel der Wissenschaft ist ein Gewinn an Erkenntnis. Aber nicht irgendeiner Erkenntnis, sondern überprüfbarer Erkenntnis. Somit setzt Wissenschaft voraus, dass es Erkenntnis gibt, die unabhängig überprüfbar, also objektiv ist. Folglich beruht Wissenschaft auf der Grundannahme, dass es eine objektive Wahrheit gibt, die sich in Form von Erkenntnis erfassen lässt. Überraschung: Hier sind sich christlicher Glaube und Wissenschaft einig!

Wissenschaft arbeitet mit ausgewählten Mitteln, die für das das Ziel des überprüfbaren Erkenntnisgewinns geeignet sind. Diese sind Beobachtung, Experiment, Analyse, Theorie, Veröffentlichung, Kritik, Überprüfung, Überarbeitung und Weiterentwicklung. Gemeinsam haben sie, dass jeder Kundige diese selbst nutzen kann. Jeder kann beobachten. Jeder kann experimentieren. Jeder kann analysieren. Jeder kann eine Theorie aufstellen. Jeder kann Beobachtungen, Experimente und Analysen veröffentlichen. Jeder kann sie die Veröffentlichungen kritisch mit denselben Methoden prüfen und kritisieren. So wird in der Wissenschaft die Erkenntnis fortlaufend überarbeitet und weiterentwickelt.

Dass die genutzten Mittel subjektiv sind, ist dabei kein Hindernis. Jeder Wissenschaftler weiß, dass Experimente und Beobachtungen von vielen Faktoren beeinflusst werden, sodass dasselbe Experiment bei zwei Versuchen zwei verschiedene Ergebnisse ergeben kann. Das ist aber kein Grund, die Idee der objektiven Wahrheit zu verwerfen, im Gegenteil: für die Wissenschaft ist dann ganz klar, dass relevante Teile der objektiven Wahrheit beim Experimentieren und Beobachten nicht berücksichtigt worden sind. Die natürliche Reaktion der Wissenschaft darauf ist mehr Wissenschaft, um diese bislang unbekannte Teile der objektiven Wahrheit ans Licht zu bringen.

Ich möchte ein sehr einfaches fiktives Beispiel bringen: angenommen Wissenschaftler, die absolut keine Ahnung von Pflanzen haben, wollen herausfinden, wie viel Wasser eine Pflanze braucht. Also startet jeder für sich ein Experiment: jeder beschafft sich mehrere Pflanzen, gießt jede mit einer unterschiedlichen Menge Wasser und schaut nach einer gewissen Zeit, wie gut welche Pflanze aussieht. Darauf haben sie sich als Bewertungskriterium geeinigt. Überraschung: alle kommen auf völlig unterschiedliche Ergebnisse. Bedeutet das, dass die optimale Menge an Wasser denn vom Wissenschaftler abhängig und somit subjektiv ist? Das sei ferne! Da unsere Wissenschaftler einfach keine Ahnung von Pflanzen haben, gibt es viele Faktoren, die sie einfach nicht berücksichtigt haben. Der eine hat Kakteen getestet und festgestellt, dass denen ein paar Tropfen reichen und alles darüber hinaus nur Schaden anrichtet. Der andere hat ein Schilfrohr genommen und festgestellt, dass er dieses praktisch ertränken muss, um es am Leben zu halten. Sie stellen folglich die These auf, dass die optimale Wassermenge von der Pflanzenart abhängt. Also nehmen sie das nächste Mal die gleiche Pflanze. Aber o weh, selbst dann bekommen sie völlig verschiedene Ergebnisse! Was könnte den Wasserbedarf und das generelle Wohlbefinden noch beeinflussen? Wir wissen es natürlich: Schatten, Sonne, Temperatur, Bodenbeschaffenheit und viel mehr. Unsere Wissenschaftler müssen das alles noch herausfinden, werden sich aber langsam durch Verwendung der wissenschaftlichen Arbeitsmittel irgendwann zum Wasseroptimum hintasten, dabei zahlreiche biologische Prozesse und Zusammenhänge entdecken und nicht nur die optimale Wassermenge von Pflanzen bestimmen, sondern Pflanzen im generellen viel besser verstehen. Sie werden der objektiven Wahrheit Stück für Stück näher kommen, weil sie sich fragen, warum sie zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

Beim nächsten Teil werden wir uns dann anschauen, wie das in der Realität aussieht und die im Titel gestellte Frage anhand der Ausarbeitung und Beispiele abschließend beantworten.